Photo: AFP – Joseph Eid Ocak 19

Gewalttätige Muslime – nur einige wenige faule Äpfel?


Immer mal wieder werden wir in der westlichen Welt Opfer von Angriffen islamischer Extremisten, so auch vergangene Woche der Anschlag auf Charlie Hedbo für die Veröffentlichung provokanter Mohammed Karikaturen. Islamische Terroranschläge sind recht selten im Westen,  insbesondere im Vergleich mit  muslimischen Ländern im Mittleren Osten und in Südostasien, aber diese Anschläge lösen jedes Mal eine Debatte darüber aus, ob die Religion des Islam selbst auch einen Teil an Verantwortung für die Handlungen der Attentäter trägt.

Photo: AFP – Joseph Eid

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Viele Menschen verteidigen sogleich die Religion des Islam und sagen, dass gewalttätige Extremisten nur eine unbedeutende Minderheit der ca. 1.6 Milliarden Muslime weltweit ausmachen und dass der Islam eine Religion des Friedens sei. „Wir können nicht generalisieren und alle  Muslime oder die Religion selbst beschuldigen,” sagen sie, und, „die große Mehrheit der Muslime verurteilt Terrorismus.” Während es undurchdacht wäre, die islamische Welt im Ganzen als grundsätzlich böse anzusehen, wäre es ebenso falsch, sie für durch und durch friedlich zu halten.

Es ist wahr, dass die meisten Muslime extremistische Gewalt verurteilen, auch wenn die Zahl die diese Minderheit bildet nicht so klein ist, wie man es sich wünschen würde. Einer Umfrage des Pew Research Center von 2013 zufolge glaubt eine Mehrheit, dass Selbstmordattentate kaum/nie gerechtfertigt seien. Aber in bestimmten Ländern glaubt eine erschreckend große Minderheit, dass sie oft/manchmal gerechtfertigt sind. Beispielsweise empfinden 39% in Afghanistan, 26% in Bangladesh, 29% in Ägypten, 40% auf Palästinensischem Gebiet, 18% in Malaysia und 13% in Pakistan Selbstmordattentate als gerechtfertigt.

Ganz gewiss sind die meisten dieser Länder geopolitische Brennpunkte und Terrorismus kann genauso politisch wie religiös motiviert sein – obwohl Selbstmordattacken als Besonderheiten islamischen Fundamentalismus´angesehen werden können. Islamistische Terrororganisationen zeichnen, laut  Institute for National Security Studies, einem Israelischen Thinktank, seit den 80er Jahren für mehr als 85% der Selbstmordattentate verantwortlich. Bei diesen Anschlägen spielt Politik gewiss eine nicht zu vernachlässigende Rolle, besonders als radikale Reaktion auf den tatsächlichen Imperialismus, den diese Länder erleiden mussten, es wäre jedoch naiv zu behaupten, die Doktrinen des Islam hätten damit nichts zu tun.

Politik und Islam gehen Hand in Hand in einigen Teilen der muslimischen Welt. In weiten Teilen des Mittleren Ostens, Nordafrikas, Südasiens und Südostasiens favorisiert eine Mehrheit der Bevölkerung laut einer Umfrage des Pew Research Center von 2013 die Sharia (Islamisches Recht) als offizielle Gesetzgebung ihres Landes, nämlich 99% in Afghanistan, 91% im Irak, 89% auf Palästinensischem Gebiet, 84% in Pakistan und 82% in Bangladesch, etc. In anderen vorwiegend muslimischen Gebieten in Osteuropa und in Zentralasien befürwortet jedoch nur eine Minderheit die Sharia. Das sind zum Beispiel 12% in Albanien, 27% in Tadschikistan, 8% in Aserbaidschan, und 15% in Bosnien. Das verdeutlicht, dass diese Glaubensvorstellungen auch sehr von Kultur beeinflusst sind.

In den Regionen, in denen nur Minderheiten an die Sharia glauben (Osteuropa, Zentralasien), billigen auch nur wenige derer, die an die Sharia glauben, die drakonischen Strafen, die diese vorschreibt, so wie Steinigen von Ehebrechern oder Exekution von Glaubensabtrünnigen. Andererseits glaubt in den muslimischen Regionen, in denen eine Mehrheit an die Sharia glaubt (Mittlerer Osten, Nordafrika, Südasien), auch die Bevölkerungsmehrheit an drastische körperliche Bestrafung.

Wenn es um andere drakonische Strafen geht, kommt es wieder sehr auf die Region an. Beispielsweise favorisieren in Ägypten 86% derer, die an die Sharia glauben, die Todesstrafe für Konvertiten, aber nur 8% in Albanien.

Es hält also ein bestürzend hoher Prozentsatz der  Menschen in einigen Teilen der muslimischen Welt viele Aspekte der religiösen Texte für buchstäblich wahr und glaubt, dass die Gesellschaft von diesen Doktrinen geleitet werden sollte. Christliche und jüdische religiöse Schriften enthalten Seiten um Seiten an Barbarismus (besonders das Alte Testament), aber die überwältigende Mehrheit der Christen und Juden haben aufgehört, diese Bücher als Gesetze ihrer Länder einzusetzen, oder wenigstens wurden sie in säkularen Gesellschaften daran gehindert.

Traurigerweise glauben jedoch 28% der Amerikaner immer noch, die Bibel sei das Wort Gottes und muss wörtlich genommen werden, wie eine Umfrage des Gallupinstituts im Juni 2014 verdeutlicht. Dies bringt mich auch zu den terroristischen Bedrohungen in der Heimat, den guten alten USA. Wir haben ebenfalls eine Geschichte widerwärtiger Missetaten, vollbracht im Namen eines anderen Propheten, Jesus Christus. Der Ku Klux Klan und Angriffe auf Abtreibungskliniken und medizinische Einrichtungen liegen nicht etwa lange zurück. Religiöser Terrorismus ist nicht etwa bloß ein islamisches Problem, wie gewisse rechte Konservative Sie gern in diesem Land glauben machen wollen.

Beide, sowohl das Christentum als auch der Islam besitzen das Potential, durch Extremismus widerwärtige und brutale Gewaltakte zu produzieren. Das Problem ist, dass die islamische Welt über mehr dieser „extremistischen“ Sichtweisen zu verfügen scheint. Es gibt wohl einige, die das Töten von Apostaten und das Steinigen von Ehebrechern nicht als „extremistisch“ erachten, aber sie sollten es. Dies mögen keine terroristischen Akte sein, aber sie sind barbarisch und unzivilisiert und viele in der muslimischen Welt glauben an sie. Extremisten, die islamische Doktrinen für bare Münze nehmen, glauben auch, sie folgten dem Beispiel Mohammeds, der brutale Kriege führte, um den Islam zu verbreiten.

Das Charlie Hebdo Massaker ist nur das jüngste Beispiel wie Extremisten versuchen, durch Einsatz von Gewalt Künstler und Journalisten zum Schweigen zu bringen oder sie für ihre Zeichnungen, Bücher oder Filme zu bestrafen. Salman Rushdie, dessen Buch „Die satanischen Verse” ihm Todesdrohungen und eine Fatwa durch den iranischen Klerus einbrachten, sagt: “Religion, eine mittelalterliche Form der Unvernunft, wird, in Kombination mit modernen Waffen, zu einer echten Bedrohung unserer Freiheit … Dieser religiöse Totalitarismus hat eine tödliche Mutation im Herzen des Islams hervorgerufen und wir sehen heute in Paris die tragischen Konsequenzen.”

Wahrhaft Liberale sollten sich nicht davor scheuen, muslimische Stimmen zu kritisieren, die moderne Barbarei beschwören. Nicht jeder Moslim hängt einem extremistischen oder islamistischen Glauben an, aber es gibt genügend, die das tun, so dass wir jene kritisieren müssen, die Gewalt und reaktionäre, fundamentalistische Doktrinen befürworten. Wenn wir uns dafür entscheiden, uns zurückzulehnen und zu sagen, dass der Islam nur ein Problem mit einer winzigen Minderheit hat, dann werden die wirklichen Reformer in solchen Gesellschaften, die ihr Leben für die Freiheit riskieren, zweifellos untergehen.Wir müssen die Freiheit stärken, sogar wenn sie manche heiligen Glaubensvorstellungen beleidigt.

Conor Lynch ist Autor und lebt in New York City. Er bloggt regelmäßig auf Daily Kos über Politik, Wirtschaft, Religion und Wissenschaft. Sie können ihn erreichen über clynch2890@yahoo.com, https://twitter.com/dilgentbureauct undhttp://www.dailykos.com/user/diligentbureaucrat.

Übersetzung Manuela Lindkamp, Joseph Wolsing

Weiter zum Bezugsartikel richarddawkins.net

http://de.richarddawkins.net/foundation_articles/2194

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